Für 2007 haben wir ein Projekt ausgewählt, wo auch der persönliche Kontakt vorhanden ist, und wir somit den Erfolg unserer Schützlinge in gewisser Weise miterleben können. Dabei handelt es sich um eine Wohngruppe von Kindern und Jugendlichen, die aus – für die Kids - sozial unzumutbaren Familienverhältnissen stammen, bzw. gar keine Familie haben.
Die Wohngemeinschaft ist als Schutz und Entwicklungsraum zu betrachten, in dem sozial benachteiligte Mädchen und Burschen betreut und gefördert werden um eine möglichst hohe Selbstständigkeit zu erreichen. Das Ziel ist es in der täglichen Arbeit, den betreuten Kindern aus der sicheren Basis der voll versorgten Gemeinschaft heraus, beim Erlangen sozialer Kompetenzen behilflich zu sein, um sie in weiterer Folge zu befähigen, persönliche Lebensbewältigungsstrategien zu entwickeln – mit dem Ziel fähig zu sein ein autonomes, bewusstes und sozial verantwortliches Leben zu führen.
Dazu gehörten: soziale Integration, das Erlernen einer sinnvollen Tagesstruktur, umfassende medizinische Betreuung, Abdeckung der Grundbedürfnisse (Kleidung, Essen, Hygiene, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes, usw.), Integration in die soziale Umgebung der Wohnung, Projekte mit erlebnispädagogischem Schwerpunkt, die Bereitschaft zum Erwerb einer fundierten Ausbildung, eine sinnvolle Freizeitgestaltung, das Übernehmen von Verantwortung für sich selbst und für Mitmenschen, das Erreichen der Selbsterhaltungsfähigkeit … – und vor allem erkennen zu können, dass man selbst nicht wertlos ist. Hier sind nur einige der vielen Aufgabenbereiche der Wohngemeinschaft genannt.
Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder führen auch zu einer individuellen Gestaltung der Freizeit, die in Absprache mit dem Betreuer oder auf dessen Anregung hin (Förderbedarf) durchgeführt wird. Sowohl die Interessen der gesamten Gruppe aber auch die persönlichen Vorlieben des Einzelnen müssen Berücksichtigung finden. Besondere Aufmerksamkeit finden hierbei sowohl gruppendynamische Prozesse sowie Ausbau der individuellen Fähigkeiten u. Fertigkeiten. Eine Aufladung des sozialpädagogischen Handlungsfeldes erfolgt durch Angebote wie:
- Monatlich gemeinsam durchgeführte Gruppenprojekte
- Ferienfahrten und aktive Wochenendgestaltung
- Bedarfsorientierte Einzelbetreuung
- Externe Kursangebote (Reiten, Jiu-Jitsu, Kletterkurse,...)
- Ein sinnvoller, zielorientierter Umgang mit Medien (Computer, Internet, TV,...) ist Teil der aktiven und bewussten Freizeitgestaltung.
Die genannten Aktivitäten übersteigen in Summe die wirtschaftliche Leistungskraft der Wohngruppe und sind daher nur durch Unterstützung durch Partner und Spender möglich. Im Besonderen empfinden es die Betreuer als ihre Aufgabe verschiedene Jugendliche, die seit Jahren in ihrer Betreuung sind, auch über die Altersgrenze von 18 Jahren hinaus sicher in die Erwachsenenwelt zu begleiten. Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist dieses Problem besonders deutlich, da sie aus ihrer Lebensgeschichte heraus nicht so rasch im sozialen Feld integriert sind und mehr Förderung benötigen.
Ein Beispiel:
Emmanuel wird bald 18 Jahre. Er ist aus Afrika geflohen und
hat keine Familie mehr. Seit 4 Jahren lebt er nun in der WG und hat zunächst
Deutsch erlernt, den Hauptschulabschluss gemacht und besucht nun eine
weiterbildende Schule, um Krankenpfleger zu werden. Bisher konnte er über den
Fond soziales Wien betreut werden. Dies endet jedoch mit seinem 18.Geburtstag
und er wird nur noch die „ Grundsicherung“ für sein Leben zur Verfügung haben.
Da diese nicht ausreicht um seine Schulzeit abzusichern braucht er „Paten“ die
bei der Finanzierung der Differenz unterstützen, er seine Ausbildung beenden
kann und in der Folge ein selbstständiges, unabhängiges und erfülltes Leben
führen kann. Und das ist nur eines der Einzelschicksale, wo wir helfend
eingreifen können.
Zum Schluss noch: die genannten, zu erlernenden – eigentlich alltäglichen - Dinge für ein späteres LEBENSWERTES Dasein, bekommen Kinder aus einem normalen Umfeld, einer normalen Familie, ganz von selbst mit. Diese Kinder und Jugendlichen müssen mit viel Einsatz, Liebe und Geduld der Betreuer und natürlich auch mit unserer finanziellen Hilfe unterstützt und individuell nach ihren Fähigkeiten gefördert werden. So werden sie zu verantwortungsvollen Erwachsenen!

